Projekt Crossover
aus dem Buch: Lafontaines Linke von Wolfgang Hübner und Tom Strohschneider (mehr hier in diesem Blog)
(…) Unterdessen bastelte man Mitte der 90er Jahre abseits der Öffentlichkeit weiter am »Projekt Crossover«. Programmatisch wurde die Idee eines ökologischen New Deal wieder aufgenommen, die schon Ende der 80er Jahre bei linken Grünen diskutiert wurde. Vereinfacht gesagt ging es dabei darum, die lebensweltlichen Interessen der Alternativ- und Ökologiebewegung mit den verteilungspolitischen Interessen der alten Arbeiterbewegung zu verknüpfen. In der zweiten Hälfte der 90er Jahre sollten zudem die prekär Beschäftigten in das Bündnis einbezogen werden, nachdem sich mehr und mehr eine neue Spaltungslinie zwischen Kern- und Randbelegschaften abzuzeichnen begann. Man arbeite, hieß es 1997 in einer Erklärung zur Crossover-Tagung in Hannover, »an politischen Alternativen zu Massenarbeitslosigkeit, sozialer Spaltung und ökologischer Krise«.
1998 endete der überparteiliche Ideenaustausch. Die Regierungsbeteiligung von SPD und Grünen domestizierte die linken Kräfte in beiden Parteien, in der Oppositionspartei PDS waren Gespräche mit den Koalitionären offenbar nicht opportun. Die Kontakte rissen indes nicht ab. Im Sommer 2007 meldeten sich der Juso-Vorsitzende Björn Böhning und der Berliner Gesundheitsstaatssekretär Benjamin Hoff mit der Forderung nach einem Neubeginn der Crossover-Gespräche zu Wort. Nicht ganz zufällig geschah dies in der Wochenzeitung »Freitag«, die schon seit längerem dem Austausch zwischen linken Grünen, Sozialdemokraten und Sozialisten diente.
Böhnings und Hoffs Plädoyer für einen »New Deal – keine Rolle rückwärts«, konnte man im späten August 2007 auch als Beitrag zur Programmdebatte der neuen Linken lesen. Die Kernfrage laute, was radikalreformerische Politik heute ausrichten könne und wo sie dafür ansetzen müsse, heißt es bei Böhning und Hoff – die dies mit einem Votum für die Zusammenarbeit von SPD, Grünen und der neuen Linkspartei verbinden. Ein »neues Crossover« sei schon deshalb erforderlich, weil sich alle drei Parteien der Frage ausgesetzt sehen, warum ihre rechnerische Mehrheit nicht einmal als Drohpotenzial tauge, geschweige denn handlungsfähig sei. Die Debatte könne allerdings nur aufhören, »wenn SPD und Linkspartei sowie die Grünen aufhören, die Brücken zueinander abzubrechen«.
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